Der Gardasee ist für viele von uns der erste Kontakt mit Italien: vier Stunden ab München, und plötzlich stehen Zypressen, Olivenbäume und Oleander am Straßenrand. Nicht umsonst nennen ihn viele scherzhaft „Lago di Bavaria -Münchens südlichster See“. An einem Sommerwochenende hört man auf den Promenaden von Torbole oder Malcesine stellenweise mehr Bayerisch als Italienisch.

Im Norden ein fjordartiger Streifen Wasser zwischen steil abfallenden Felswänden, im Süden ein weiter, flacher See mit Badebuchten, Weinorten und Freizeitparks. In diesem Beitrag nehme ich euch einmal rund um den See und zeige euch die Orte, die sich wirklich lohnen, und ein paar Tipps, die ich vorher gern gehabt hätte.

Anreise – mit dem Auto oder mit dem Zug

Anreise mit dem Auto

Mit dem Auto ist der Gardasee von Süddeutschland aus ein Tagesziel. Von München geht es über die A8 und A93 ins Inntal und weiter über die Brennerautobahn A22 Richtung Verona. Je nachdem, wo ihr wohnt, nehmt ihr die Ausfahrt Rovereto Sud/Lago di Garda Nord für Riva, Torbole und Limone, Affi für Garda, Bardolino und Malcesine oder Peschiera beziehungsweise Sirmione für den Südteil.

Ohne Stau steht ihr nach gut 4 Stunden am Wasser. Einplanen solltet ihr die Vignette für Österreich, die Brenner Maut und die italienische Autobahn Maut. Am Wochenende in der Ferienzeit müsst ihr reichlich Geduld am Brenner mitbringen. Wer vor dem Frühstück losfährt, spart sich das meiste davon.

Die beiden Uferstraßen im Westen (Gardesana Occidentale) und die im Osten (Gardesana Orientale) sind landschaftlich mega schön, aber eng, kurvig und voller Tunnel. Mit Wohnmobil oder Anhänger braucht ihr dort Ruhe, und in der Hochsaison kommt ihr auf der Westseite stellenweise kaum voran.

Anreise mit dem Zug

Mit dem Zug funktioniert es erstaunlich gut. Auf der Brennerstrecke fahren durchgehende Züge von München nach Verona Porta Nuova. Die Fahrt dauert rund 5 Stunden. Von Verona sind es mit dem Regionalzug noch etwa 15 bis 20 Minuten nach Peschiera del Garda oder Desenzano del Garda, beide liegen direkt am Südufer. Wollt ihr in den Norden, steigt ihr schon in Rovereto aus und nehmt den Bus nach Riva del Garda, das dauert knapp 1 Stunde.

Vor Ort braucht ihr kein eigenes Auto. Die Schiffe der Navigazione Lago di Garda verbinden die Orte rund um den See. Dazu kommt ein ziemlich dichtes Busnetz entlang beider Ufer. Die Fähre ist ohnehin die schönste Art den See zu erkunden.

Übernachten – vom Campingplatz bis zum kleinen Hotel

Campingplatz

Am günstigsten wohnt ihr auf dem Campingplatz. Rund um den See gibt es Dutzende davon, viele direkt am Wasser, vor allem am Ost- und Südufer zwischen Lazise, Bardolino und Peschiera. Ob Zelt, Wohnmobil oder fest stehendes Mobilheim: Für Familien ist das die entspannteste und mit Abstand preiswerteste Variante. Und das Beste: Ihr seid morgens die Ersten im See noch bevor die Tagesgäste kommen.

Der beliebteste Standort ist Bardolino. Der Ort hat eine lange Uferpromenade, lebt vom Wein gleichen Namens und liegt verkehrsgünstig: Gardaland und Verona sind jeweils eine knappe halbe Stunde entfernt, der Norden über die Gardesana erreichbar. Entsprechend voll ist es im Sommer, dafür findet ihr hier alles von der Pizzeria bis zum Bootsverleih.

Hotel

Als Kontrast lohnt sich ein Hotel in einem der kleinen Orte rund um den See. Ein Zimmer in der Altstadt oder etwas oberhalb am Hang, Frühstück auf der Terrasse und abends zu Fuß zum Hafen. Warum sich das besonders am Abend auszahlt, steht unten im Insidertipp.

Must-see rund um den See

Monte Baldo

Von Malcesine fährt die Seilbahn in zwei Abschnitten auf knapp 1.800 Meter hinauf. Die Gondeln der oberen Sektion drehen sich während der Fahrt langsam um die eigene Achse, ihr seht also ohne Gedrängel den ganzen See. Oben erwarten euch Wanderwege in alle Richtungen oder einfach nur eine super Aussicht.

Mein Tipp: Fahrt früh hinauf, am späten Vormittag stehen unten die längsten Schlangen. Und nehmt eine Jacke mit – oben sind es locker zehn Grad weniger als am Seeufer. Ihr könnt oben auch in einer kleinen Hütte nahe der Bergstation einkehren.

Malcesine

Malcesine ist der Ort, den die meisten im Kopf haben, wenn sie an den Gardasee denken. Enge Gassen, Hafenbecken, darüber die Burg auf dem Fels. Vom Burgturm habt ihr den Blick über die Dächer bis zum Monte Baldo. Fun Fact: Goethe wurde hier 1786 beim Zeichnen der Burg für einen Spion gehalten.

Limone sul Garda

Limone klebt im wahrsten Sinne an der Westseite zwischen Fels und Wasser. Namensgeber sind die alten Zitronengärten, von denen die restaurierte Limonaia del Castèl begehbar ist. Hier gibt es auch den spektakulärsten Radweg am See, teils über einen Steg, der direkt an der Felswand über dem Wasser geht.

Sirmione

Sirmione liegt auf einer schmalen Halbinsel im Süden. Durch das Tor der Scaligerburg geht es in die Altstadt bis ganz nach vorn an die Landzunge. Zwischen den Olivenbäumen liegt die Grotte di Catullo, die Ruinen einer römischen Villa mit Blick über den See. Dazu die Thermalquellen, für die der Ort schon in der Antike bekannt war. Sirmione ist allerdings kein Geheimtipp. Kommt früh am Morgen oder am späten Nachmittag, denn tagsüber schiebt sich die Menge durch die wenigen Gassen.

Riva del Garda und Torbole

Die Nordspitze gehört zum Trentino und fühlt sich fast alpin an. Zwei Winde bestimmen hier den Tag: morgens der Peler von Norden, nachmittags die Ora von Süden. Weil beide so zuverlässig wehen, ist Torbole einer der beliebtesten Surf Orte. Riva del Garda hat die schönere Altstadt mit der Piazza III Novembre und dem Torre Apponale direkt am Hafen. Aber beide Orte sind wenig spektakulär.

Gardaland – der Klassiker mit Kindern

Mit Kindern führt am Gardasee kein Weg an Gardaland vorbei. Der größte Freizeitpark Italiens liegt in Castelnuovo del Garda direkt neben Peschiera und kombiniert Achterbahnen und Themenwelten mit dem benachbarten Sea Life Aquarium.

Praktisch: Peschiera del Garda hat einen Bahnhof an der Strecke Mailand–Venedig, von dort fährt in der Saison ein Shuttlebus zum Park. Wer mit dem Auto kommt, zahlt Parkgebühr und steht an Sommerwochenenden erst einmal in der Schlange vor der Einfahrt. Geht gleich zur Öffnung hinein und dreht die großen Bahnen zuerst, am Nachmittag sind die Wartezeiten am längsten.

Tagesausflug nach Verona

Verona ist der beste Regentag Plan am Gardasee, aber auch bei Sonne einen Tag wert. Vom Südufer seid ihr schnell dort: Ab Peschiera oder Desenzano fährt der Regionalzug in rund 15 bis 20 Minuten nach Verona Porta Nuova, vom Bahnhof sind es gut 20 Minuten zu Fuß in die Altstadt. Mit dem Auto dauert es ähnlich lang.

Mittelpunkt ist die Arena, das römische Amphitheater an der Piazza Bra, in dem im Sommer unter freiem Himmel Oper gespielt wird. Von dort führt die Einkaufsstraße Via Mazzini zur Piazza delle Erbe mit ihren Markt- und Fresken-Fassaden. Dazu das Castelvecchio mit seiner Zinnenbrücke, die Ponte Pietra über die Etsch und natürlich der Balkon der Julia.

Mein Tipp: Geht hinauf zum Castel San Pietro. Von der Terrasse habt ihr den perfekten Blick auf die Altstadt.

Insidertipps

Sommerabend in Malcesine

Tagsüber gehört Malcesine den Tagesgästen: Seilbahn, Burg, Eis, zurück aufs Schiff. Richtig schön wird der Ort erst, wenn am Abend die letzten Busse abfahren. Dann leeren sich die Gassen, die Tische am Hafenbecken füllen sich, und über allem steht die Burg im letzten Licht.

Genau dafür lohnt sich das kleine Hotel im Ort statt der großen Anlage am Südufer: Ihr geht zu Fuß die zwei Minuten hinunter an den Hafen, setzt euch an einen Tisch mit Blick aufs Wasser und bestellt einen Aperol Spritz. Die Sonne verschwindet langsam am Ostufer hinter den Bergen der Westseite.

Mit dem Motorboot über den See

Holt euch ein Motorboot und schippert damit über den See. Das Gute: ihr braucht keinen Bootsführerschein! Boote bis 40 PS dürft ihr in Italien ohne Schein fahren und genau solche vermieten die Stationen in fast jedem Ort am See. Kurze Einweisung am Steg inkl. Karte mit den Sperrzonen und los geht’s.

Fahrt ein Stück raus, stellt den Motor ab und lasst euch treiben: vor der Burg von Malcesine, in der Bucht von Punta San Vigilio oder entlang der Felswände der Westseite. Vom Wasser aus seht ihr den See so, wie ihn vom Ufer aus niemand zu sehen bekommt. Sonnencreme nicht vergessen!

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