Ein Kyūshū Roadtrip ist der Japan Trip für alle, die beim zweiten Mal etwas anderes machen wollen als den typischen Honshu Rundtrip mit Tokio und Kyoto, den man beim ersten Mal macht. Auf Kyūshū gibt es dampfende Höllenquellen, einen Vulkan mit einem der größten Calderas der Welt, eine völlig unterschätzte Millionenstadt und eine Straße, die zweimal am Tag im Meer verschwindet. Wie du hinkommst, warum du dir unbedingt ein Auto mieten solltest und welche Stopps sich auf einem Roadtrip lohnen, erfährst du genau hier.

Wo liegt Kyūshū und wie kommst du hin

Kyūshū ist die südwestlichste der vier japanischen Hauptinseln und nach Honshu und Hokkaido die drittgrößte. Von Honshu trennt sie nur die schmale Kanmon-Straße, und genau dort fährt der Shinkansen unten durch. Dein Tor zur Insel ist der Bahnhof Hakata in Fukuoka.

Mit dem Shinkansen nach Hakata

Hakata ist die Endstation der Sanyo-Shinkansen-Strecke. Ab Shin-Osaka bist du mit dem Nozomi in rund zweieinhalb Stunden da, ab Tokio dauert es etwa fünf Stunden. In Hakata beginnt dann der Kyūshū-Shinkansen, der weiter Richtung Kumamoto und Kagoshima fährt.

Wichtig für die Planung: Die schnellsten Züge Nozomi und Mizuho sind im Japan Rail Pass nicht ohne Weiteres enthalten, dafür zahlst du einen Zuschlag. Sakura und Kodama sind dagegen abgedeckt, brauchen aber länger. Alles zum Pass steht hier: Japan Rail Pass für Touristen und zum Shinkansen generell hier: Mit dem Shinkansen durch Japan.

Mein Tipp: eine Woche Roadtrip mit dem Auto

Für Honshu empfehle ich Zug und Bus. Auf Kyūshū ist das anders. Die schönsten Stopps liegen zwischen den Städten, am Vulkan, an der Küste, in den Bergen, und dorthin kommst du mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit viel Geduld. In einer Woche kommst du ganz gut mit einem Rundtrip durch Nord Kyūshū. Wenn du auch den Süden bereisen willst, musst du mehr Zeit einplanen.

Auto mieten

Das ist überraschend unkompliziert. Du musst in der Regel keine Kaution hinterlegen und die Übergabe dauert keine zehn Minuten. Entscheidend sind eigentlich nur die Vorbereitungen. Mehr dazu findest du hier: Reisen mit dem Auto in Japan.

Fahren

Es gibt genau eine Sache, bei der du aufpassen musst: Linksverkehr. Der Rest ist entspannter als zu Hause. Alle fahren schon sehr defensiv und gedrängelt wird nicht. An das gemächliche Tempo gewöhnst du dich auch schneller als gedacht. Nach einem halben Tag denkst du nicht mehr drüber nach. Navigation geht in Japan ganz easy über Google Maps oder Apple Maps. Hol dir am besten eine SIM Karte für deinen Roadtrip, so kannst du ganz einfach wie daheim navigieren. Mehr Infos: Internet in Japan – SIM-Karte oder eSIM?

Ampeln

Zwei Eigenheiten, die dich am Anfang irritieren werden. Die Ampeln hängen an Kreuzungen meist auf der gegenüberliegenden Seite, nicht neben dir an der Haltelinie. Und sie sind waagerecht montiert statt senkrecht. Fun fact: Senkrechte Ampeln gibt es nur in Hokkaido und Tohoku, damit sich auf den Blenden kein Schnee sammelt.

Maut

Auf Japans Autobahnen musst die Maut zahlen. Bezahlt wird entweder elektronisch per ETC Karte oder manuell an der Mautstation. ETC Karten gibt es bei Mietwagen eigentlich nie. Deswegen immer genügend Bargeld mitnehmen, an manchen Stationen funktionieren aber auch Kreditkarten bzw. Prepaid Karten. Aber drauf solltet ihr es nicht ankommen lassen.

Hinweis: Etwas knifflig sind die Autobahn Auffahrten. Hier gibt es sogenannte Smart Interchanges, die ausschließlich per ETC nutzbar sind. Ohne ETC Karte kommst du hier nicht durch die Schranke und musst dir eine andere Auffahrt suchen.

Raststätten

Die sind in Japan keine Notlösung, sondern ein eigener Programmpunkt. Statt abgestandener Hotdogs bekommst du frisch gekochtes Essen, oft mit regionalen Spezialitäten der Präfektur, durch die du gerade fährst. Da machen die Pausen richtig Spaß!

Fukuoka, Japan

Fukuoka

Fukuoka ist der Startpunkt für deinen Kyūshū Roadtrip. Für mich war die Stadt der schönste Spot der ganzen Reise und die wohl unterschätzteste Großstadt Japans. Sie hat über 1,5 Millionen Einwohner, liegt direkt am Meer und fühlt sich deutlich entspannter an als Tokio oder Osaka. Das solltest du auf jeden Fall machen:

Streetfood am Fluss

Abends gegen 18 Uhr verwandeln sich mehrere Orte der Stadt in kleine Streetfood Märkte. Das ist die Fukuoka Erfahrung schlechthin. Fast alle anderen Städte in Japan haben ihre Straßenküchen abgeschafft. In Fukuoka gibt es heute noch rund 100 Stände, die sogenannten Yatai. Nakasu ist das bekannteste Viertel und befindet sich direkt am Naka Flussufer. Schlender einfach am Fluss entlang und wo es dir am besten gefällt setzt du dich einfach hin. Hinweis: Es wird bar bezahlt. Alternativ kannst du dir auch ganz gemütlich in einem Konbini etwas holen und es dir am Flussufer bequem machen, um den Booten und den funkelnden Lichtern zuzusehen.

Ohori Park

Ein ehemaliger Burggraben, heute ein großer See mitten in der Stadt mit Inseln und Brücken. Drei Inseln liegen im Teich, verbunden durch steinerne Brücken, und genau dieser Weg quer über das Wasser ist das Schöne daran. Außen herum führt ein Rundweg, auf dem die halbe Stadt joggt und spazieren geht. Wenn du etwas mehr Zeit hast, lohnt der japanische Garten im Süden.

Fukuoka Tower

Mit 234 m der höchste Küstenturm Japans. Die Fassade besteht aus rund 8.000 halbverspiegelten Scheiben, weshalb der Turm den Spitznamen Spiegelsegel trägt. Je nach Tageszeit und Wetter wechselt er komplett die Farbe. Mit dem Aufzug kommst du bis zu Aussichtsplattform auf 123 m. Von oben hast du einen Rundum Blick über die Bucht von Hakata und die ganze Stadt. Öffnungszeiten täglich von 9:30 bis 22:00 Uhr und der Eintritt kostet ca. 1.000 Yen. Mein Tipp: Fahr rund eine Stunde vor Sonnenuntergang hoch, dann hast du noch etwas Tageslicht und dann die blaue Stunde und die beleuchtete Stadt.

Tonkotsu Ramen

Fukuoka ist die Heimat der Hakata Ramen mit ihrer cremigen Tonkotsu Brühe und den dünnen, harten Nudeln. Hier gehört das einfach dazu. Die Brühe wird aus Schweineknochen so lange hart gekocht. Daher die milchige Farbe. Auf dem Tisch stehen meist eingelegter roter Ingwer, scharfes Senfgrün, geriebener Sesam und Knoblauch. Tipp: Falls ihr vor der Abfahrt eures Shinkansens noch etwas Zeit habt, könnt ihr euch in der Hakata Station noch schnell eine leckere Ramen gönnen.

Beppu, Japan

Beppu

Nachdem du in Fukuoka deinen Mietwagen abgeholt hast, geht der Roadtrip los. Erstes Ziel liegt rund 2 Stunden östlich von Fukuoka. Es ist die Stadt Beppu, in der es überall es aus dem Boden zischt und dampft. Die Stadt fördert mehr heißes Wasser als jeder andere Ort in Japan. Aufgrund der geothermalen Aktivität bleibt der Boden auch bei Regen und kühlen Temperaturen warm, ähnlich wie bei einer Fußbodenheizung. Das darfst du auf keinen Fall verpassen.

Die sieben Höllen

Die Jigoku Meguri ist der klassische Rundgang durch sieben heiße Quellen, die zum Anschauen und nicht zum Baden da sind. Für alle zusammen brauchst du gut zwei bis zweieinhalb Stunden.

  • Umi Jigoku, die Meereshölle: leuchtend kobaltblau, der übliche Startpunkt
  • Oniishibozu Jigoku: blubbernde graue Schlammblasen, die an Mönchsköpfe erinnern
  • Kamado Jigoku: mehrere Becken, eines wechselt je nach Temperatur und Wetter die Farbe
  • Oniyama Jigoku: Japans erste Krokodilzucht mit rund 80 Tieren
  • Shiraike Jigoku, die Weiße-Teich-Hölle: milchig hellblau, mit Tropenaquarium
  • Chinoike Jigoku, die Blutteich-Hölle: rostroter Schlamm, die älteste natürliche Hölle Japans
  • Tatsumaki Jigoku: der einzige Geysir, bricht alle 30 bis 40 Minuten aus

Essen selbst dämpfen

Touristisch, aber trotzdem ein Highlight ist das Jigokumushi Kobo im Viertel Kannawa. Hier bekommst du einen Korb mit dem von dir bestellten Essen. Alle Zutaten sind roh und du garst dein Essen selbst m Vulkandampf. Keine Angst nette Guides zeigen dir genau, was du mache musst und wann dein Essen fertig durchgegart ist.

Kifune Burg

Die Burg Kifune ist ein kleiner Geheimtipp, der auf keiner Highlight Liste steht und trotzdem perfekt in den Tag passt, weil er im selben Viertel liegt wie die Höllen und die Dampfküche. Eine echte historische Burg ist das nicht, das heutige Gebäude wurde aber erst 1957 im Burgstil gebaut. Das eigentlich Verrückte wartet drinnen. Verehrt wird dort eine große weiße Schlange, der Kinpaku Ryuo, die als Gottheit für Geldglück gilt. Und du darfst sie tatsächlich anfassen. Dazu kommt der Blick. Von oben siehst du den Dampf über den Dächern von Kannawa aufsteigen, dahinter die Bucht von Beppu, die Stadt Oita und den Berg Tsurumi.

Mount Aso, Japan

Mount Aso

Von Beppu geht’s nun weiter ins Inselinnere. Der Aso sitzt in einer der größten Calderas der Welt. Dieser Kessel ist so groß, dass darin Dörfer, Felder und sogar ganze Bahnlinien Platz haben. Du merkst beim Reinfahren überhaupt nicht, dass du längst mitten im Vulkan bist.

Den Krater erkunden

Am einfachsten kommst du mit dem Auto zum Nakadake Krater. Von der Caldera aus führt eine gut ausgebaute Bergstraße in weiten Serpentinen hinauf aufs Sanjo Plateau, und schon diese Fahrt lohnt sich: Links und rechts wird aus Wald erst Grasland und dann kahle Vulkanasche bis du oben auf rund 1.100 Metern ankommst. Oben gibt es einen großen Parkplatz.

Vom Plateau führt dann noch ein letztes Stück Mautstraße hinauf bis direkt an den Kraterrand. Für einen normalen Pkw kostet das rund 800 Yen. Wer nicht selbst fahren will kann auch den Shuttlebus nehmen. Oben stehst du dann tatsächlich am Rand eines aktiven Vulkans und schaust in einen dampfenden Schlund. Rund um den Kraterrand sind betonierte Schutzbunker aufgestellt, in die du dich bei einem plötzlichen Ausbruch flüchten kannst. Spätestens da wird einem klar, dass das hier kein Aussichtspunkt wie jeder andere ist.

Vulkanwarnstufe

Da der Vulkan sehr aktiv ist, gibt es Vulkanwarnstufe. Je nach Warnstufe kommst du bis zum Krater oder auch nicht. Falls der Krater geschlossen hat, kannst du trotzdem folgendes machen: Daikanbo im Norden ist kostenlos, immer offen und zeigt dir alle fünf Gipfel auf einmal. Kusasenri, die Graslandschaft mit dem Kratersee, geht auf jeder Warnstufe. Und Komezuka, der perfekt geformte kleine Grasvulkan, liegt direkt an der Milk Road.

Übernachtungstipp

Der Traum der ganzen Reise: Kurokawa Onsen. Das ist ein winziger Onsen Ort in den Bergen, einem Bach mittendrin und vielen Bädern unter freiem Himmel. Warum ich den Ort so mag und welche Bäder sich lohnen, steht hier: Kurokawa Onsen.

Kumamoto, Japan

Kumamoto

Kumamoto ist gewöhnungsbedürftig. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick sperrig und wenig touristisch. Im Nachhinein war sie trotzdem eines der Erlebnisse der Reise, vor allem wegen der Burg und dem lustigen Bär.

Die Burg

Kumamoto-jo gilt als eine der drei großen Burgen Japans, und ihre Geschichte ist ziemlich beeindruckend. Im April 2016 wurde die Burg bei dem schweren Erdbeben zerstört. Seit 2021 kann man sie wieder von innen besichtigen. Es ist erstaunlich, wie schnell die Burg weitestgehend wieder aufgebaut wurde, und das erdbebensicher. Sie hat dem jüngsten Beben 2026 auch gut standgehalten. Besonders beeindruckend ist, wie die eingestürzten Steinmauern wieder entstehen: Jeder einzelne Stein wurde nummeriert und seine Lage dreidimensional erfasst, damit er exakt an seinen alten Platz zurückkehrt. Über 100.000 Steine sind auf diese Weise katalogisiert worden. Der Honmaru Goten Palast ist wegen der Sanierung innen weiterhin nicht zugänglich. Eintritt ist ca. 800 Yen.

Kumamon

Den schwarzen Bär mit den roten Backen musst du in Kumamoto nicht suchen, du kommst an ihm nicht vorbei. Auf Straßenbahnen, an Hausfassaden, auf Ampelkästen, im Supermarktregal, auf Taxis und auf jeder zweiten Verpackung. Kumamon wurde 2010 von der Präfektur erfunden, um nach der Eröffnung des Kyushu-Shinkansen Touristen anzulocken. Ein Jahr später gewann er die landesweite Maskottchen Wahl. Der Umsatz mit Kumamon Produkten lag 2012 schon bei rund 29 Milliarden Yen. Es ist das erfolgreichste Stadtmarketing, das Japan je hatte. Besuchen kannst du Kumamon tatsächlich auch. Mitten in der Stadt liegt die Kumamon Square, offiziell sein Büro. Dort gibt es seinen Schreibtisch, eine kleine Bühne, einen Laden mit Artikeln, eine Snackecke mit Softeis aus Kumamoto Milch und auch regelmäßig Auftritte von Kumamon höchstpersönlich.

Nagabeta Seabed Road

Mein fotografisches Highlight der Region war rund 45 Minuten mit dem Auto südwestlich von Kumamoto. Dort  führt die knapp 1 km lange Nagabeta Seabed Road ins Meer hinaus, gesäumt von Strommasten. Gebaut wurde sie 1979, damit die Fischer ihre Nori- und Muschelkulturen erreichen. Bei Ebbe liegt die Straße frei und führt schnurgerade aufs offene Watt hinaus. Bei Flut verschwindet sie komplett, und nur die Masten ragen noch aus dem Wasser, abends mit eingeschalteten Lampen.

Nagasaki

Nagasaki steht auf vielen Kyūshū-Listen, liegt aber im Westen deutlich abseits der Route zwischen Fukuoka, Beppu, Aso und Kumamoto. Für eine Woche Nord Kyūshū bedeutet das einen spürbaren Umweg und mindestens einen zusätzlichen Übernachtungsstopp. Wir haben es deshalb ausgelassen. Wenn du zehn Tage oder mehr Zeit hast, lohnt es sich. Bei einer Woche würde ich die Zeit lieber in Aso und Kurokawa Onsen stecken.

Insidertipps

Yufuin Floral Village

Rund 1,5 Stunden östlich von Fukuoka, kurz vor Beppu, liegt Yufuin. Mach dort auf jeden Fall einen Stopp.
Mitten im Ort gibt es das Floral Village. Das ist ein kleines nachgebautes Dorf im europäischen Märchenstil, mit krummen Gassen, Reetdächern und Blumenkästen. Klingt schräg, ist es auch, aber genau deshalb sehenswert.
Der Grund, warum du überhaupt hinwillst, steckt im Detail: Dazu gehören eine Bäckerei im Stil von Kikis kleinem Lieferservice und ein Studio Ghibli Laden. Rechne mit einer knappen Stunde, das Areal ist sehr groß und schnell abgelaufen.

Kamishikimi Kumanoza Schrein

Auf dem Weg zum oder vom Mount Aso kannst du einen Abstecher zum Kamishikimi Kumanoza Schrein machen. Es ist ein kleiner Schrein bei Takamori, der aussieht wie aus einem Ghibli Film. Eine lange, moosbewachsene Steintreppe führt durch einen Zedernwald, links und rechts stehen hunderte Steinlaternen, dazwischen rote Torii. Nimm dir Zeit und geh ganz hoch bis zum Felsspalt dahinter.

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