Die Tour auf dem Nakasendō kann ich jedem empfehle, der zum ersten Mal in Japan wandern will. Der Nakasendō war eine der fünf historischen Hauptstraßen Japans in der Edo Zeit und verband Tokio und Kyoto. Der Weg geht mitten durch die Berge mit 69 Poststationen entlang der Strecke. Zwischen Magome und Tsumago im Kiso Tal ist ein Abschnitt erhalten geblieben, auf dem du noch heute eine wunderschöne Trekkingtour machen kannst.

Magome, der schönste Ausgangspunkt

Magome ist winzig und einfach wunderschön. Eine einzige gepflasterte Gasse zieht sich den Hang hinauf, links und rechts dunkle Holzhäuser mit tief heruntergezogenen Dächern, dazwischen Wasserräder und schmale Kanäle, in denen das Wasser den Berg hinunterläuft. Tagsüber ist der Ort voll. Busweise kommen Tagesgäste, laufen die Gasse hoch und fahren wieder. Und genau deshalb kommt jetzt mein wichtigster Tipp für diese Tour.

Mein Tipp: bleib über Nacht

Magome ist morgens und abends ein komplett anderer Ort. Ab dem späten Nachmittag leert es sich und dann gehört dir die Gasse fast allein. Morgens dasselbe in umgekehrter Richtung. Der Ort wacht langsam auf, die Läden öffnen nach und nach, und bis die ersten Busse kommen hast du deine Ruhe.

Wir haben im Guesthouse Nedoko übernachtet und würden das sofort wieder machen. Gemütliche Betten (in Gästehäusern ja nicht so oft der Fall) und die Gastgeberin Mika ist unglaublich nett. Sie holt dich sogar an der Bushaltestelle ab und fährt dich mit dem Gepäck hoch zum Haus. Das ist kein Service nebenbei sondern Lifesaver! Die Koffer den gepflasterten Hang hochzuziehen macht wirklich keinen Spaß.

Magome, Japan

Anfahrt & Ablauf

Morgens mit der Chūō Linie bis Nakatsugawa und von dort mit dem Bus direkt bis nach Magome. Die Koffer direkt ins Guesthouse bringen, ein paar Snacks und Getränke im Konbini holen und zur Wanderung aufbrechen.

Je nach Geschwindigkeit und Stopps kommt ihr am frühen Nachmittag in Tsumago an und könnt dort durch das Örtchen schlendern und ein paar Souvenirs kaufen. Zwischen Tsumago und Magome fahren nur rund fünf Busse am Tag und die letzte Rückfahrt geht am späten Nachmittag. Das ist die wichtigste Planungsregel auf dieser Strecke. Die Straße kreuzt den Wanderweg mehrmals und der Bus hält unterwegs unter anderem am Magome Pass, am Odaru Wasserfall und in Ōtsumago. Wenn die Beine früher schlappmachen als gedacht, steigst du einfach an einer dieser Haltestellen ein und fährst vorzeitig zurück.

Am frühen Abend könnt ihr durch die leere Gasse in Magome schlendern und den Sonnenuntergang anschauen. Weil der Ort von den Tagestouristen lebt, hat abends praktisch alles zu. Wer ohne Plan ankommt, steht vor verschlossenen Türen. Reserviere also vorher, oder lass reservieren. Unsere Gastgeberin Mika hat das für uns übernommen und uns unten im Ort einen Tisch im Izakaya Haginoya besorgt. Das Essen war mega lecker und der Abend genau das, was man sich nach einer Wanderung wünscht.

Am nächsten Morgen könnt ihr nochmal durch den erwachenden Ort bummeln und auch in paar Shops einkehren. Unten angekommen, geht’s dann mit dem Bus weiter.

Die Route

Es sind ca. 8 Kilometer und du bist, wenn du gemütlich läufst 3 Stunden unterwegs. Geh die Strecke am besten von Magome nach Tsumago, da geht’s spürbar weniger bergauf. Verlaufen kannst du dich nicht, es ist alles auch auf Englisch ausgeschildert.

Hinauf zum Magome Pass

Der erste Abschnitt ist der einzige, bei dem du wirklich ins Schwitzen kommst. Du läufst die gepflasterte Gasse hinauf, am Wakihonjin und am Shimazaki Tōson Museum vorbei, und bist nach knapp zehn Minuten oben aus dem Ort raus. Dahinter kommt der Nashinokizaka, ein gepflasterter Hang mit einem alten Wasserrad, und von den Aussichtspunkten siehst du bei klarem Wetter den Ena.

Weiter oben stehen alte Steindenkmäler am Wegrand, dann kommt der Kumano Schrein und kurz darauf der Magome Pass auf rund 800 Metern. Hier verläuft die Grenze zwischen Gifu und Nagano, du wechselst also mitten im Wald das Bundesland. Ab hier geht es fast nur noch bergab.

Das alte Teehaus Ichikokutochi

Gut zehn Minuten nach dem Pass kommt mein Lieblingsplatz auf der Strecke: das Ichikokutochi Tateba-jaya, ein rund 200 Jahre altes Rasthaus, das restauriert wurde und heute wieder offen steht. Drinnen Lehmboden, in der Mitte eine offene Feuerstelle, und ein ehrenamtlicher Gastgeber, der dir grünen Tee und ein Bonbon hinstellt. Der Tee kostet nichts, es steht nur eine Spendenbox da, damit das Feuer weiterbrennt.

Setz dich hin, auch wenn du nicht müde bist. Es ist der einzige Ort auf der Strecke, an dem du wirklich verstehst, wie sich das vor 300 Jahren angefühlt haben muss. Gleich hinter dem Haus steht der kleine Koyasu Kannon Schrein.

Die Wasserfälle Odaki und Medaki

Nach etwa einer Stunde wird es lauter. Der Weg führt über eine Brücke und kurz darauf zweigt ein kleiner Pfad zu den beiden Wasserfällen ab, drei Minuten abseits der Strecke. Odaki ist der männliche, Medaki der weibliche Wasserfall. Der Legende nach hat sich hier Miyamoto Musashi abgekühlt, der berühmteste Schwertkämpfer Japans.

Der Abstecher lohnt sich, auch weil es dort unten im Sommer spürbar kühler ist.

Reisfelder, Steinbuddhas und Ōtsumago

Danach wird der Weg sanfter. Du läufst am Kurashina Schrein vorbei, über eine Brücke, dann an terrassierten Reisfeldern entlang, und am Wegrand sitzt der Gyūtō Kannon, ein verwitterter Steinbuddha.

Kurz darauf kommt Ōtsumago. Das war keine Poststation, sondern ein ai no shuku, ein Zwischenort für die, die es nicht mehr bis zur nächsten Station geschafft haben. Es stehen noch mehrere alte Hatago da, also Gasthäuser aus der Edo Zeit, und in einigen wohnen bis heute Leute. Von hier sind es nur noch rund 20 Minuten bis Tsumago, erst über zwei Brücken, dann am kleinen Wasserkraftwerk vorbei.

Ankunft in Tsumago

Tsumago war die 42. von 69 Stationen. Als der Ort in den 1960ern zu verfallen drohte, haben die Bewohner 1968 angefangen, die Häuser selbst zu restaurieren, lange bevor Denkmalschutz in Japan ein Thema war. Du läufst durch das Masugata, den absichtlich geknickten Straßenabschnitt, der früher Angreifer ausbremsen sollte, und dann am Honjin und Wakihonjin vorbei.

Sehenswert ist Tsumago auf jeden Fall. An Magome kommt es für mich trotzdem nicht heran. Schau es dir an, trink einen Kaffee und fahr dann zurück.

Insidertipps

Die Bärenglocken

Entlang des Weges hängen Glocken an Pfosten, an denen du im Vorbeigehen ziehst. Das ist kein Deko Gag, im Kiso Tal leben Schwarzbären. Die Glocken sollen ihnen rechtzeitig sagen, dass da jemand kommt, damit sie aus dem Weg gehen können. Gesehen habe ich keinen, gebimmelt haben wir trotzdem an jeder einzelnen. Du kannst dir aber auch selbst eine kuma suzu, eine kleine Bärenglocke für den Rucksack holen. Kostet nur ein paar hundert Yen. Du siehst sie an fast jedem japanischen Rucksack baumeln.

Schick den Koffer voraus

Wenn du nicht übernachten willst, gibt es genau diese Etappe einen eigenen Gepäckservice. Du gibst deinen Koffer morgens im Touristenbüro von Magome ab und holst ihn am Nachmittag im Touristenbüro von Tsumago wieder ab. Das kostet ca. 1.000 Yen pro Koffer. Auf Wunsch liefern sie auch nach Ōtsumago. Alternativ geht der normale japanische Gepäckversand, mehr dazu hier: Gepäckservice in Japan

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