Zum Wandern fährt kaum jemand nach Nikko, und genau deshalb schreibe ich diesen Artikel. Nikko kennen die meisten nämlich wegen der Tempel und DER Brücke. Zwei Busstunden weiter oben liegt aber Oku-Nikko, und da wird es richtig gut. Hochmoor, Lärchenwald und atemberaubende Wasserfälle. Nikko wird gern als Tagesausflug ab Tokio verkauft, und genau das ist der Fehler. An einem Tag schaffst du die Tempel oder eine Wanderung, aber nicht beides, und beides lohnt sich. Wir waren 2 Nächte da und haben keine Minute davon bereut.

Nikko – Shinkyō Brücke und Tōshō-gū

Nikko war schon immer ein Pilgerort. Der Legende nach erschienen dem Mönch Shōdō Shōnin am reißenden Daiya Fluss zwei riesige Schlangen, die sich zu einer Brücke verschlangen. Genau an dieser Stelle steht heute die Shinkyō Brücke, eines der meistfotografierten Motive des Landes. Von der Straße aus kannst du sie dir kostenlos anschauen. Wenn du auf die Brücke willst kostet das ca. 300 Yen. Du kannst aber nur vor und wieder zurücklaufen. Eigentlich witzlos.

Über der Straße den Berg hoch beginnt das Tempel Areal und das ist so groß, es hört gefühlt gar nicht auf. Seit 1999 ist das ganze Areal zusammen mit dem Rinnō-ji und dem Futarasan Schrein Weltkulturerbe. Das Tōshō-gū ist das Mausoleum von Tokugawa Ieyasu, dem Begründer des Shogunats. Sein Enkel hat die Anlage 1636 bauen lassen und das mit jede Menge Gold, Lack und Schnitzereien. Hinter der schlafenden Katze führen 207 Steinstufen hinauf zu Ieyasus Grab. Für hoch und zurück brauchst du etwa eine halbe Stunde. Oben ist es deutlich ruhiger als unten, allein dafür lohnt sich der Aufstieg. Eintritt ist ca. 1.600 Yen.

Der späte Nachmittag ist die beste Zeit für die Shinkyō Brücke und das Tōshō-gū. Tagsüber ist es dort extrem voll. Wir sind hin, als sich die Busse langsam auf den Rückweg gemacht haben, und hatten die Brücke fast für uns.

Mein Tipp: bleib 2 Nächte

Mit zwei Nächten drehst du den ganzen Tagesrhythmus um. Die Tagesgäste kommen gegen zehn und sind am späten Nachmittag wieder weg, du dagegen bist morgens und abends da, wenn es ruhig ist. Zudem kannst du direkt am Morgen in die Berge starten, statt erst zwei Stunden aus Tokio anzureisen.

Übernachtet haben wir im Stay Nikko Guesthouse, einem kleinen Haus mit dem wirklich netten Gastgeber Kenji. Der hat sich mit uns hingesetzt und uns die Wanderrouten in Ruhe erklärt. Welcher Bus wann fährt, wo wir aussteigen müssen und in welche Richtung wir besser laufen. Dazu noch zwei Tipps, wo wir im Ort am Abend essen können. Solche Gastgeber sind Gold wert, das spart ne Menge Recherche und du läufst am nächsten Tag einfach los.

Nikko, Japan

Anfahrt & Ablauf

Ab Tokio fährst du von Asakusa mit der Tobu Linie nach Tobu Nikko. Der Spacia X ist dabei die schönste Option. Es ist ein Limited Express mit Lounge und Abteilen, für den du aber vorher einen Sitzplatz reservierst musst. Weeeeeeeit im Voraus! Der Ort hat zwei Bahnhöfe, fast direkt nebeneinander. Tobo Nikko Station für alle Züge der Tobu Line und Nikkō Station für alle JR East Züge.

In der Unterkunft einchecken oder nur die Koffer abgeben und dann Nikko erkunden. Am späten Nachmittag, wenn die Tagesgäste größtenteils schon alle weg sind, ist hier die beste Zeit.

Hol dir am nächsten Morgen Frühstück und Reiseproviant aus dem Konbini und fahr dann mit dem Bus nach Oku-Nikko zum Wandern. Nachmittags geht es mit dem Bus wieder zurück nach Nikko, und danach lässt du den Abend im Ort ausklingen.

Am nächsten Tag gehts dann mit dem Zug weiter. Alles zum Zugfahren in Japan steht übrigens hier: Mit dem Shinkansen durch Japan

Die Route

Gewandert wird nicht in Nikko selbst, sondern oben in Oku-Nikko. Für die rund 6 bis 7 Kilometer solltest du etwa 3 Stunden einplanen.

Der Bus bringt dich direkt vom Busbahnhof in Nikko in die Berge. Die Fahrt bis ganz nach oben dauert gut 1 Stunde und ist schon für sich genommen ein kleines Erlebnis mit vielen Kurven und Serpentinen. Oben öffnet sich dann der Blick auf den Chūzenji See, und danach geht es am Ufer entlang immer weiter ins Hochland.

Du kannst die Strecke natürlich auch andersherum laufen, also von unten bergauf bis nach Yumoto Onsen. Steig dafür einfach irgendwo unterwegs aus und starte von dort. Der Bus hält an mehreren Punkten direkt am Weg. Wir haben uns für bergab entschieden. So hast du das Gefälle auf deiner Seite, und die bekanntesten Wasserfälle kommen am Ende statt gleich am Anfang.

Start in Yumoto Onsen

Yumoto ist die Endstation der Buslinie und liegt auf rund 1.500 Metern am Yunoko See. Ein winziger Onsenort, und das riechst du sofort, denn hier liegt das Quellgebiet und über allem hängt eine deutliche Schwefelnote.

Hinter dem Ort kannst du dir die Quellfelder anschauen. Dort kommt das heiße Wasser in hölzernen Fassungen aus dem Boden und läuft als milchig weißer Bach Richtung See. Der See selbst ist ziemlich klein. Du kannst in beiden Richtungen um den See laufen. Wir haben uns für die kürzere Strecke entschieden.

Yumoto Onsen, Japan

Der Yudaki Wasserfall

Nach etwa 45 Minuten stehst du oben am Yudaki, dem Abfluss des Yunoko Sees. Rund 70 Meter hoch und am Fuß etwa 110 Meter breit, eine ziemlich eindrucksvolle Wand aus Wasser. An der Kante kommst du bis ans Geländer und schaust dem Wasser hinterher, wie es über den schwarzen Fels nach unten geht. Ein schmaler Treppenweg führt direkt neben dem Fall hinunter zum unteren Becken.

Dort gibt es eine Plattform für Fotos und einen kleinen Imbiss mit Konbini. Das ist übrigens der letzte Punkt auf der Strecke, an dem du noch etwas kaufen kannst.

Yudaki, Japan

Am Yugawa entlang

Ab hier folgst du dem glasklaren Yugawa, der sich durch Lärchen und Birken schlängelt. Auf halber Strecke kommt ein kleiner Teich mit mehreren Bänken, der klassische Rastplatz auf dieser Tour. Hier treffen mehrere Wege zusammen, unter anderem einer, der hinauf ins Hochland führt. Halte dich deshalb an die Schilder Richtung Senjōgahara.

Danach wird der Wald lichter, und das ist das sichere Zeichen, dass gleich das Moor kommt.

Yugawa, Japan

Über die Stege durch das Senjōgahara

Dann öffnet sich der Wald und du stehst im Moor. Das Senjōgahara liegt auf rund 1.400 Metern, ist etwa 4 Quadratkilometer groß und seit dem 2005 geschütztes Gebiet. Du läufst fast durchgehend über Stege.

Im Oktober färben sich außerdem Gräser und Lärchen, das ist mit Abstand die beste Zeit. Auf halber Strecke liegt die Haltestelle Akanuma mit Bänken. Wenn die Beine nicht mehr wollen, steigst du dort in den Bus und fährst vorzeitig zurück.

Senjōgahara, Japan

Die Ryūzu Fälle

Zum Schluss rauscht es wieder. Die Ryūzu Fälle sind keine Fallkante, sondern eine lange Kaskade, die über glatten Fels nach unten schießt und sich ganz am Ende an einem Felsen in zwei Arme teilt. Daher der Name, Drachenkopf. Unten angekommen kannst du im Teehaus einkehren mit direktem Blick auf die Fälle.

Von hier kannst du theoretisch am unteren See entlang zurücklaufen. Wir haben es gelassen, weil der Weg eigentlich nur an der Straße entlang geht. Nimm den Bus. Die Bushaltestelle befindet sich ein wenig die Strasse runter.

Ryūzu, Japan

Kegon no Taki

Steig auf dem Rückweg bei Chūzenji Onsen aus und schau dir noch den bekanntesten Wasserfall Japans an. Ein Must-see, wenn du in der Gegend bist. Der Kegon stürzt knapp 100 Meter in die Tiefe und ist der einzige Abfluss des Chūzenji Sees. Das gesamte Wasser des Sees geht also genau hier hinunter.

Von oben siehst du ihn kostenlos, die eigentliche Perspektive bekommst du aber unten. Ein Aufzug fährt dich 100 Meter senkrecht in den Fels hinunter auf eine Plattform am Fuß des Falls, direkt in die Gischt. Kostet ca. 600 Yen. Mach das auf jeden Fall, der Ausblick ist gigantisch.

Kegon no Taki, Japan

Insidertipps

Oben ist eine andere Jahreszeit

Nikko liegt auf rund 600 Metern, Oku-Nikko auf 1.400. Das sind gut und gerne fünf bis acht Grad Unterschied, dazu Wind über dem offenen Moor. Im Oktober kann es morgens am See knapp über null sein, während es unten im Ort noch mild ist. Pack eine Schicht mehr ein, als du beim Losgehen brauchst.

Herbstzeit ist Stauzeit

Die Straße zwischen Nikko und dem Chūzenji See besteht aus 48 Serpentinen. Hoch und runter geht es auf getrennten Strecken. Im Oktober zur Laubfärbung steht dort alles und aus 40 Minuten Busfahrt werden schnell zwei Stunden. Fahr früh los!

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