Yamagata steht auf kaum einer Japan-Route, und genau deshalb lohnt es sich. Ein Onsen Ort wie aus einem Ghibli Film, ein Tempel hoch oben im Fels mit 1.000 Stufen davor, eine alte Pilgerroute über drei heilige Berge und ein Aquarium, das sich mit Quallen vor der Pleite gerettet hat. Was sich wirklich lohnt, was du dir sparen kannst und wie du dich dort am besten bewegst, erfährst du genau hier.
Wo liegt Yamagata?
Yamagata liegt im Norden von Honshu, in der Region Tohoku. Nachbarn sind Akita im Norden, Miyagi im Osten, Fukushima im Süden und Niigata im Südwesten. Es die neuntgrößte Präfektur Japans, hat aber nur knapp 1 Million Einwohner.
Yamagata ist zu großen Teilen Bergland. Der Zao mit seinem Kratersee Okama, der Gassan, auf dem pro Saison bis zu 3.000 cm Schnee fallen können, der Chokai an der Grenze zu Akita und die drei Berge von Dewa. Durch die Mitte schlängelt sich der Mogami, einer der schnellsten Flüsse Japans. Landwirtschaftlich ist Yamagata Japans größter Kirschenproduzent. Wenn du im Juni dort bist bekommst du die Kirschen überall.
Anreise
Die Anreise ist ganz easy. Ab Tokio fährst du mit dem Yamagata Shinkansen in rund 3 Stunden ohne Umsteigen direkt bis in die Stadt Yamagata. Der Zug heißt Tsubasa und ist ein sogenannter Mini-Shinkansen. Ab Tokio hängt er an einem Zug der Tohoku Strecke, in Fukushima wird er abgekoppelt und zuckelt von dort auf normalen Gleisen weiter nach Yamagata und bis Shinjo. Achte beim Einsteigen aber auf den Wagen, denn der hintere Zugteil fährt weiter Richtung Norden. Alles zum Zugfahren steht hier: Mit dem Shinkansen durch Japan und zum Pass hier: Japan Rail Pass für Touristen.
Vor Ort: nimm das Auto
Ab Yamagata kommst du mit Bussen weiter, aber ehrlich gesagt ist das mühsam. Die Ziele liegen weit auseinander und an den Bergen fahren die Busse nur noch selten. Mit dem Mietwagen bist du deutlich flexibler und sparst dir viel Wartezeit. Was du dafür brauchst, steht hier: Reisen mit dem Auto in Japan. Siehe auch Kyūshū Roadtrip auf Japans drittgrößter Insel

Zao Onsen
Ganz ehrlich Zao Onsen war eine Enttäuschung. Geplant war ein entspannter Onsen Ort, denn die können so wunderschön sein, siehe auch Die schönsten Onsen Japans. Nur gehört Zao Onsen leider nicht dazu.
Wellness im Säurebad
Was wir vorher nicht wussten: Die Quellen in Zao gehören zu den sauersten in ganz Japan. Der pH-Wert liegt je nach Quelle bei etwa 1,6 bis 1,9. Das ist in etwa der pH Wert von Magensäure. Das Wasser ist milchig blau und riecht deutlich nach Schwefel. Nach spätestens 15 Minuten musst du raus. Meistens brennt es schon vorher überall. Auf gereizter Haut merkst du es sofort. Entspannen sieht anders aus.
Im Sommer tote Hose
Der Ort lebt vom Winter. Als wir im Sommer dort waren, hatten die meisten Restaurants zu und auf den Straßen war praktisch niemand. Da blieb nur die Fahrt mit dem Auto ganz ins Tal, um dort in Yamagata Stadt essen zu gehen. Einen Konbini gibt es jedoch auch im Ort, wie immer der Lifesafer.
Im Winter sieht es anders aus
Dann ist Zao ein beliebtes Skigebiet und vor allem die Heimat der Schneemonster. So nennen die Einheimischen die Juhyo Nadelbäume, wenn sie unter einer dicken Schicht aus Schnee und Raureif zu bizarren weißen Gestalten werden. Mit der Seilbahn fährst du Richtung Gipfel des Jizo und stehst direkt zwischen ihnen.

Ginzan Onsen
Ginzan Onsen ist das Postkartenmotiv der Präfektur und sieht tatsächlich aus wie aus einem Ghibli Film. Gasthäuser komplett aus Holz stehen auf beiden Seiten eines schmalen Flusses. Abends wenn es dunkel wird brennen gehen die historische Gaslaternen an. Genau deshalb ist der Ort aber auch entsprechend überlaufen.
Mit dem Auto kommst du nicht rein
Darauf solltest du dich einstellen. Als Tagesgast musst du am Besucherzentrum Taisho Romankan rund zwei Kilometer außerhalb parken. Von dort bringt dich ein kostenpflichtiger Shuttlebus hinein. In der Wintersaison gilt zusätzlich ein festes Besucherkonzept mit Zeitfenstern, Kontingenten und Reservierungspflicht für die Abendstunden. Die genauen Regeln und Preise ändern sich von Saison zu Saison. Schau am besten kurz vor deinem Besuch auf die offiziellen Website ginzanonsen.jp
Baden ist schwieriger als gedacht
Wenn es ums Baden geht, werden die meisten Tagesgäste enttäuscht. Die schönen Bäder in den Ryokan sind den Übernachtungsgästen vorbehalten. Als Tagesgast bleibt dir nur das öffentliche Onsen am Ortseingang. Das ist aber wirklich winzig und nicht zu empfehlen. Du kannst eigentlich nur auf die kleinen heißen Fußbäder im Ort ausweichen, wenn du etwas Onsen Feeling haben willst.
Mein Rat
Entscheide dich vorher für eins von beidem. Entweder du übernachtest dort, dann hast du den Ort abends nach dem Tagesansturm fast für dich und kommst in die guten Bäder. Oder du machst einen kurzen Abstecher von ein bis zwei Stunden, fotografierst ein wenig und setzt dich in ein Fußbad. Der Ort an sich selbst ist klein und schnell abgelaufen.

Ryūshaku-ji
Der Ryūshaku-ji, oft einfach Yamadera (Bergtempel) genannt, war mein Highlight in der ganzen Region. Die Tempelbauten kleben an einer steilen Felswand über dem Tal. Hoch führen Treppen durch Felsspalten und Zedern Wälder. Der Eintritt liegt bei ca. 600 Yen. Öffnungszeiten sind in der Regel von 8 bis 17 Uhr. Parken kannst du ganz einfach auf einem der Parkplätze im Ort. Hier ist eigentlich immer etwas frei.
1.000 Stufen bergauf und bergab
Genau genommen sind es 1.015 Stufen bis zum Tempel. Das klingt erstmal etwas abschreckend. Ich hatte vorher auch Bedenken, ob ich das schaffe. Tatsächlich brauchst du gemütlich nur 30 bis 45 Minuten nach oben. Du bleibst ohnehin alle paar Meter stehen, weil es immer wieder etwas zu gucken gibt. Es ist eher ein Spaziergang mit vielen Pausen.
Oben angekommen ragt die Aussichtsplattform Godaido über den Hang hinaus. Von dort geht der Blick über das komplette Tal mit dem Fluss und der Bahnlinie. Das ist der Moment für den du hochgelaufen bist. Im Herbst mit dem Laub soll es noch einmal eine andere Nummer sein.
Etwas Hintergrund
Gegründet wurde der Tempel im 9. Jahrhundert. Berühmt wurde er aber durch den Dichter Matsuo Basho, der 1689 auf seiner Reise durch den Norden ein Haiku über die Stille des Ortes schrieb. Jedes japanische Schulkind kennt es bis heute. Der Stein mit dem Vers steht auf halber Höhe am Weg.
Mein Tipp für danach
Unten im Ort gibt es ein kleines Café, das von einer sehr sympathischen Australierin geführt wird: das Nice Spot Coffee. Guter Kaffee und leckerer Miso Brownie – nach 1.000 Stufen abwärts genau das Richtige. Was es gerade gibt siehst du auf ihrer Instagram Seite.

Die drei Berge von Dewa
Die Dewa Sanzan sind drei heilige Berge Haguro, Gassan und Yudono und seit Jahrhunderten eine Pilgerroute. Der Haguro gilt als Tor zu den dreien, der Yudono als innerstes Heiligtum und oben auf dem Haguro steht die Halle Sanjingosaiden, in der die Gottheiten aller drei Berge zusammen verehrt werden.
Die Pagode am Eingang
Der eigentliche Hingucker kommt gleich am Anfang. Nach dem Eingangstor läufst du durch eine Zedernallee mit uralten Bäumen. Als Eintrittskarte erhältst du eine kleine Kette mit einem Anhänger aus echtem Zedernholz. Dieser wunderbare, natürliche Duft wird dich auf deinem gesamten Weg begleiten. Bevor es den Berg hochgeht, steht da die fünfstöckige Zedernholz Pagode, komplett ohne Farbe. Sie ist ein Nationalschatz und gilt als älteste Pagode der Tohoku Region. Direkt daneben steht der Großvaterbaum Jijisugi mit rund 1.000 Jahren auf dem Buckel.
Zwei Möglichkeiten zum Gipfel
- Nur bis zur Pagode und mit dem Auto nach oben: Das ist ein kurzer und relativ flacher Weg. Nur am Anfang gibt es ein paar Stunden. In gut einer halbe Stunde geht’s hin und zurück. Danach geht es mit dem Auto direkt auf der Mautstraße zum Gipfel. Kosten ca. 400 Yen.
- Der komplette Aufstieg zu Fuß: Es sind ca. 2.500 Stufen bis zum Gipfel. Rechne mit ein bis zwei Stunden Aufstieg.
Wir haben die Kombination zu Fuß zur Pagode und danach mit dem Auto hoch genommen. Damit hast du beides gesehen, die Allee mit der Pagode und die Halle oben.
Was dich oben erwartet
Oben angekommen stehst du auf einem weiten Platz und der Blickfang ist sofort das Sanjingosaiden, in dem Gottheiten aller drei Berge zusammen verehrt werden. Es wurde 1818 in seiner heutigen Form errichtet und ist ein wichtiges Kulturgut. Das Beeindruckende daran ist das Reetdach mit 2 m Dicke. Vor der Halle befindet sich der Spiegelteich Kagami-ike, in den seit der Heian Zeit Bronzespiegel als Opfergaben geworfen wurden. Das Museum auf dem Gelände zeigt genau diese Spiegel samt weiterer Fundstücke.

Kamo Aquarium
Ein Aquarium klingt erst mal nach Schlechtwetterprogramm. Das Kamo Aquarium bei Tsuruoka ist aber eine echte Sehenswürdigkeit.
Wie Quallen ein Aquarium gerettet haben
Das Haus wurde 1930 eröffnet und stand Ende der 1990er vor dem Aus. In einem Becken entdeckte man zufällig kleine Quallen und stellte sie aus. Und tatsächlich kamen Besucher, um die Quallen anzuschauen. Direktor Tatsuo Murakami setzte darauf und entwickelte Methoden, um Quallen selbst zu züchten. Der Plan ging auf.
2005 überholte das kleine Haus das Monterey Bay Aquarium in der Zahl der ausgestellten Quallenarten und hält dafür einen Guinness-Weltrekord. 2014 bekam es einen Neubau und im selben Jahr kamen 716.354 Besucher, 8mal so viele wie in den Krisenjahren.
Was du siehst
Rund 60 Quallenarten sind dauerhaft zu sehen. Insgesamt gibt es ca. 140 Arten im Haus. Fast alle werden vor Ort selbst gezüchtet. Du gehst auch direkt durch den Aufzucht Bereich. Dort siehst du wie sich die stecknadelkopfgroßen Jungtieren zu ausgewachsenen Quallen entwickeln. Am Ende kannst du dich vor ein riesiges rundes Becken voller Ohrenquallen setzen und einfach nur zuschauen, wie sie im Kreis treiben.
Insidertipps
Koreanisch essen in Tsuruoka
Unser bestes Essen der ganzen Region war weder japanisch noch in einem Reiseführer zu finden. In Tsuruoka kocht eine ältere Koreanerin, die vor Jahren nach Japan ausgewandert ist, in ihrem kleinen unscheinbaren Haus. Von außen ähnelt alles eher einer normalen Wohngegend. Drinnen sitzt du in ihrem umgebauten Wohnzimmer an einem großen Tisch und bekommst koreanische Hausmannskost. Wenn du in Tsuruoka bist, plane einen Abstecher: 韓国ヤ
Okonomiyaki selber machen
Ebenfalls in Tsuruoka liegt das kleine Restaurant Sabo. Dort kannst du dir dein Okonomiyaki selbst zubereiten. Am Tisch ist eine heiße Platte eingelassen, du bekommst den Teig mit allen Zutaten gebracht und machst den Rest in Eigenregie. Verrühren, auf die Platte kippen, warten, wenden und am Ende mit Soße, Mayonnaise und Bonitoflocken belegen. Als Erlebnis war das ein sehr lustigster Abend, den du so schnell nicht vergessen wirst. Wenn du Okonomiyaki zu Hause selbst machen willst, findest du hier alle Infos: Okonomiyaki – Japanisches Soulfood für Zuhause
Kalte Ramen
Und noch ein letzter Tipp: Yamagata ist die Ramen Hauptstadt Japans. Die lokale Spezialität heißt hier Hiyashi Ramen, also kalte Ramen. Die komplette Sojasauce Dashi Brühe ist kalt. Oft schimmen sogar noch Eiswürfel drin rum. Saison ist von Juni bis September, manche Läden haben sie ganzjährig. Wenn du im Sommer in Yamagata bist, probier sie aus. Sie ist wirklich eine gute Erfrischung an heißen Tagen.
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